Bilder sagen mehr als Worte


Neuss, im März 2013

  

Seit geraumer Zeit  hatte ich mir vorgenommen, mein umfangreiches  Fotoarchiv zu digitalisieren. Nun habe ich  währenden der vergangenen Wintermonate dieses Vorhaben realisiert.

Die Fotos dokumentieren nur einen kleinen Teil der von meinem Büro geplanten Projekte, z.B. ca. 300 Privatgärten. Fotos von Projekten in Südfrankreich, der Karibik (Antigua) und Florida stehen z. Zeit nicht zur Verfügung. Vielleicht reicht der eine oder andere Bauherr eigene Fotos ein. Ich würde mich freuen.

 

Der Großteil der Aufnahmen wurden noch mit der Analog Kamera "aus der Hüfte" geschossen. Es wurde nichts arrangiert oder retuschiert. Ich beabsichtige nicht, mich in die Reihe der "Hochglanz Fotografen" einzuordnen. Hingegen mußten die Fotos für Veröffentlichungen in einer Zeitschrift, mit verschieden Spiegelreflexkameras im Mittelformat als DIA-Film vorgelegt werden.

 

Die Fotos sind nicht chronoligisch geordnet. Da die Gärten sehr eng mit der Architektur des Hauses verknüpft sind, lassen sich aber Trends feststellen.

 

Bereits in den 70er Jahren wurde der 60er Terrassen- Waschbeton von Holzdecks abgelöst. Dieser Trend hält bis heute an.

Sehr früh wurden öde Rasenflächen durch Gartenteiche ersetzt. Manche Fotos belegen, daß diese, vor allem von Kindern, als Badeteiche angenommen werden.

Hieraus entwickelten sich die beliebten Schwimm- und Badeteiche.

 

Die in den 60er Jahren so beliebten orange farbenen Markisen über den Waschbetonterrassen, wurden durch zum Teil überdachte Pergolen aus  Holz, zum Teil auf Stahlrohrstützen, ersetzt. Heute bestehen die meisten Überdachungen aus Stahl und Glas und werden im nächsten Schritt als Wintergärten gestaltet

 

Zur Bundesgartenschau 1979 in Bonn, konnten in Form eines Wettbewerbes, Gärten zu selbstgewählten Themen realisiert werden. Unter sehr großem finanziellem und zeitlichem Aufwand, haben 28 Gruppen, bestehend aus einem Planer, mehreren ausführenden Firmen und Lieferanten diese Gärten gestaltet. Weitere Informationen unter "Gartenschauen".

Mit unserem Thema, mit dem etwas steifen Titel - "Wohnen im Garten" hatten wir bei Jury und Besucher den größten Zuspruch.

 

Der Garten wurde mit 3 Gold-, 1 Siber-, 2 Bronzemedaillen  und dem Ehrenpreis des Bundesministers für Landwirtschaft und Forsten prämiert. Mitglied der Jury war u. a. auch Frau Loki Schmidt, eine bekannte Gartenliebhaberin.

Bei einem anschließenden Meeting der 28 beteiligten Planern, wurde die Prämierung  von einem Kollegen, der  leer ausgegangen war, als  eine "Hausfrauen- Entscheidung" bezeichnet.

Ich habe darauf bemerkt, daß ich bisher sehr viel Freude bei der Gestaltung des Gartens hatte, die nun durch diese Mißstimmigkeiten getrübt seien. Mein Vorschlag, die Prämierung aufzuheben und die Besucher entscheiden zu lassen, veranlasste meinen Kollegen,  mich als "Traumtänzer" zu bezeichnen.

Ich hoffe, daß die Kollegen, die leer ausgingen, mit dem nachträglich verliehenen "Diplom", auf einer Art rundem Bierdeckel, mit  Filzschreiber aufgetragen, doch noch zufrieden waren. Zumindest wurde keiner der Deckel entfernt.

 

2005 ergab sich die Gelegenheit, noch einmal mit der Firma Rosenkranz, inzwischen unter Leitung des Juniors, und der Baumschule Nissen, an der Landesgartenschau in Leverkusen einen Garten zu gestalten.

  

Mit diesem Beitrag danke ich meinen Auftraggebern für z.T. langjährige Treue und Freundschaft und das mir und meinen Mitarbeitern entgegengebrachte Vertrauen.

Danke auch den ausführenden Firmen des Garten- und Landschaftsbaues.

Aufträge habe ich von  Privatleuten, Architekten, Planungs- und Bauabteilungen von Konzernen und auch öffentlichen Auftraggebern erhalten. 

 

Werdegang

 

Von 1958 bis 1960 habe ich eine verküzte, zweijährige Gärtnerlehre absolviert und mit der Gehilfenprüfung abgeschlossen.

 

Zur Finanzierung meines Studiums und zur beruflichen Weiterbildung konnte ich meine Kenntnisse in verschiedenen Gartenbaubetrieben und einer Baumschule mit angeschlossener Staudengärtnerei vertiefen. Die praktischen Erfahrungen kamen mir, während und nach  dem Studium, sehr zugute.

 

Um als gebürtiger Hesse in Hessen einen von Studiengebühren befreiten Studienplatz zu erhalten, mußte ich mich noch zwei Jahre gedulden. In Osnabrück oder Weihenstefan hätte ich mit dem Studium sofort beginnen können.

 

1964 trat ich mein Ingenieur- Studium der Landespflege an der FH Wiesbaden in Geisenheim/Rheingau, unter Prof. Gerd Däumel an. Mein Interesse galt der Gartenarchitektur. Landschaftsplanung, mit Abhängigkeit vom Wohlwollen der Behörden und deren Paragrafenreiterei war nicht mein Ding. 

 

Nach erfolgreichem Abschluß des Studiums trat ich eine Stelle im Planungsbüro Landschaftsanwalt Georg Witasek in Salzburg an und war eigenverantwortlich mit der Bearbeitungen von Projekten in Kärnten, Oberöstereich und Salzburg betraut.

Besonders gerne erinnere ich mich an die planerische Gestaltung

des Gartens eines berühmten Dirigenten in Salzburg/Anif.

Grundlage der Baugenehmigung war die Auflage, das Anwesen als Nachbau eines für die Gegend typischen Großbäuerlichen Hofes zu gestalten. Somit unterlag auch das Umfeld, in Form und Material-auswahl, diesem Anspruch. Es dominieren die Streuobstwiese und ein bäuerlicher Kreuzgarten.

Die damals und leider auch heute noch weitverbreitete Abgrenzung bäuerlicher Grundstücke zur offenen Landschaft mit geschnittenen Fichtenhecken, mußte  nach erbittertem Widerstand meinerseits und der Einflußname der Eheleute nicht realisiert werden.

 

Es folgte eine Anstellung im Planungsbüro Landschaftsarchitekt Richard Bödecker, ("Richard von Arabien" DER SPIEGEL 42/2012),  im Neandertal.

Im Anschluß erfolgte eine Tätigkeit bei der Firma Garten- und Landschaftsbau Erich Rosenkranz in Velbert-Neviges. Hier war ich mit Kalkulation und örtlicher Bauleitung befasst.

 

1972 erfogte der Eintrag in die Architektenkammer NRW und die Planung eigener Projekte in meinem ersten Büro in Mettmann, Elberfelder Straße, mithilfe einer angestellten Bauzeichnerin.

Im Anschluß erfolgte u.A. freie Mitarbeit bei Richard Bödecker bei zwei größeren Projekten. 

 

1975 erfolgte die Verlegung des Planungsbüro nach Düsseldorf, Rathausufer 19. Die Aufträge und Beschäftigung fest angestellter Mitarbeiter/innen mehrten sich.

 

1985 entschlossen wir uns, bedingt durch die Bautätigkeiten der Stadt im unmittelbaren Umfeld und der dadurch entstehenden Unruhe und Störungen, zum Umzug in ein ländliches Domizil.

In Babenhausen-Harreshausen/Hessen, zwischen Frankfurt, Darmstadt und Aschaffenburg strategisch günstig gelegen, wurde ein Pferdestall mit darüberliegendem Heuboden, auf einem fränkischen Vierkantbauernhof und Wassermühle in der Grünewaldmühle  umgebaut. Die Gersprenz ist ein kleiner Fluß, der aus dem Odenwald kommend in der Nähe Aschaffenburgs in den Main mündet. Bekanntlich mündet dieser in den Rhein der in Düsseldorf am Rathausufer vorbeifließt. Somit bestand noch immer eine Verbindung zu Düsseldorf, die auch später nicht abriss.  In Düsseldorf führten wir über die Jahre weiterhin ein kleines Büro.
Die Idee, die Strecke mit dem Kajak abzupaddeln, habe ich noch nicht realisiert.

 

1986 erhielten wir den Auftrag zur Planung der Freianlage der Firma EPSON in Düsseldorf-Heerdt. Mit diesem Zeitpunkt begann für unser Büro das digitale Zeitalter. Mit einem Computer und angeschlossenem Drucker der Firma EPSON wurde die Textverarbeitung,  Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung nun in digitaler Form erstellt.

 

1990 hat sich auch die Erstellung der Planung radikal verändert.

Als erster Landschaftsarchitekt der damaligen BRD entschloss ich mich, die gesamte Planung auf  CAD, (computer-aided design, zu Deutsch, rechnerunterstütztes konstruieren), umzustellen.

Mit den damals noch sehr  teuren,  dafür langsamen Computer unter DOS, bedeutete dieses eine enorme nervliche und finanzielle Belastung. Hard- und Software waren noch sehr teuer. Auf dem Arbeitsmarkt waren CAD geschulte Mitarbeiter noch nicht präsent.

 

Dank gebührt meinem Studienkollegen und Freund, Prof. Wolfgang Prollius, damals  Dozent an der FH Wiesbaden, der mir nach einem Telefonat, Frau Dipl. Ing. Ingrid Bornes  empfohlen hat. Frau Bornes hatte kurz zuvor ihre Diplomarbeit, mit und über CAD, abgeschlossen und suchte eine Arbeitsstelle.

Frau Bornes hat im Büro, neben der Projektbearbeitung, die CAD- Schulung meiner Mitarbeiter/innen übernommen, sodaß wir innerhalb kurzer Zeit, mehrere große Aufträge digital bearbeiten konnten.

 

Großprojekte wurden zu diesem Zeitpunkt von Architekturbüros bereits digital erstellt. Daher auch die Forderung der Auftraggeber, die Planung der Freiananlagen in digitalem Format zu erstellen.

Die Digitalisierung hatte weiterhin den Vorteil, daß die Projekte nicht mehr bindend  im Hauptbüro, sondern auch in Zweigbüros bearbeitet werden konnten. Solche Büros unterhielten wir in Aachen, Dresden, Oldenburg und Hamburg.

Die Datenübertragung erfolgte anfangs über Modems und ISDN, heute über DSL.

Die digitalen Vorteile für die Erstausstattung wurden teuer erkauft.
 

2 Rechner- 90.000 DM

Syquestlaufwerke 2.650 DM
Stiftplotter- 17.950 DM

Digitizer DIN A 0- 17.900 DM

HP Laserjet- 5.500 DM
Hardware gesamt- 134.000 DM

 

Software

1. Lizenz- 18.260 DM

2. Lizenz- 16.890 DM

Autocad Upgrades- 5.200 DM

Update Landcad- 4.500 DM

Software gesamt-  44.850 DM

 

Durch die schnelle Entwicklung des gesamten Umfeldes war der Stiftplotter bereits nach wenigen Jahren überholt.

Frühere Lichtpausanstalten stellten auf Betrieb mit Plotter um und  erhielten per Datenleitung die Pläne, die sie plotteten, mittels Lichtpausen vervielfältigten und weiterleiteten. Pläne, z. B. in Babenhausen oder Aachen gefertigt, wurden in Dresden oder Hamburg geplottet und auf die Baustellen verteilt.

 

1996 fiel mit dem Konkurs der Firma Philipp Holzmann ein wichtiger Auftraggeber aus. In der Folge stellten bis zum Jahre 2000 weitere Auftraggeber für Großprojekte den Betrieb ein. Dies hatte zur Folge, daß das Büro mit reduzierter Anzahl von Mitarbeitern weitergeführt wurde. Zweigbüros, die vorwiegend objektbezogen arbeiteten,  wurden geschlossen.

 

2000 Rückkehr nach Düsseldorf.

 

2004 Heirat mit einer waschechten Düsseldorferin

 

ab 2006 Ruhestand - z.Zt. in Neuss

 

Ich danke für Ihr Interesse und würde mich über eine Nachricht von Ihnen freuen. 

 

Ihr

Gerhard Schäfer